Um 05:45 in der Nähe vom Inle-See. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Ist das noch Urlaub? In Zeitlupe schwingen wir uns aus dem Bett. Für heute ist eine Kreuzfahrt in der Nussschale auf dem Inle See geplant. Es war unsere erste Nacht im Mingalar Inn. Der Wechsel vom Joy Hostel hierher hat sich gelohnt. Wir hatten – total ungewohnt für uns – schon Wochen vorher gebucht und eines der letzten Zimmer bekommen. Ja, Wohnraum für Touristen ist knapp in Myanmar.

Bootstrip auf dem Inle See

Der Morgen war kalt und regnerisch. Wir überlegten schon, den Tagestrip abzusagen und einfach wieder ins Bett zu gehen. Wir wurden mit einem mächtigen Frühstück aus Omelette, Pancake, Obst, Toast und Gebäck umgestimmt und der Kaffee (nicht selbstverständlich für Myanmar) hat uns halbwegs wach gemacht.

Wir schlendern mit Softshell und Regenjacke ausgerüstet zum Pier. Dort wartet schon Bernhard auf uns. Bernhard haben wir am Tag zuvor auf unserer Fahrradtour kennengelernt. Er ist Holländer, der außerdem noch Zweit- und Dritt-Wohnsitze in Peru und Dänemark hat, aktuell aber in England lebt. Eigentlich ist er Arzt, hat aber sein halbes Leben in der Seuchen-Abteilung der WHO gearbeitet. Bernhard war beruflich in den schlimmsten Gegenden der Erde und ist jetzt froh als Rentner endlich mal normalen Urlaub machen zu können. Er hatte uns gefragt, ob er mit auf unserer Nussschale anheuern darf.

Inle-See

Myanmar-Bier, Soja-Sosse und Knabber-Zeugs. Nein, das ist nicht unser Boot.

Fischer auf dem Inle-See

Die Fischer auf dem Inle-See haben eine ganz eigene Angel-Technik. Sie sitzen am äußersten Rand der Nussschale. Fluppe im Mund ist obligatorisch. Mit dem Paddel schlagen sie aufs Wasser, um Fische aufzuscheuchen. Die verfangen sich dann irgendwie im Netz. Keine Ahnung, wie das funktionieren soll. Man muss dazu sagen, dass der See nicht tief ist. An den meisten Stellen kann man sogar stehen. Wahrscheinlich kommen die Fischer mit ihren Netzen bis zum Boden.

Fischer auf dem Inle-See

Unser erster Stopp ist ein Markt. Es ist nicht der „Floating Market“ mitten auf dem See. Der soll allerdings auch nicht so toll sein.

Floating Market

Unser Boot ist bei Weitem nicht das Erste. Um an Land zu kommen müssen wir erst mal über mehrere andere Boote rüber klettern. Auf dem Markt begrüßen uns erst mal Souvenierstände und die dazugehörigen Verkäufer. Und zahlreiche Touristen. Na toll. Wir dachten, dass wir die einzigen Touris um die Uhrzeit sind… Nein, nicht wirklich. Ich bin dann erst mal durch irgendwelche engen Gassen immer tiefer in den Markt rein. Der war echt riesig und unübersichtlich. Nach kurzer Zeit war kein einziger Tourist mehr zu sehen und wir waren allein mit den Einheimischen.

Inle See Markt

Jetzt sind wir ja nicht im Zoo, wo die Tiere sich nicht wehren können, sondern auf einem Markt. Viele Menschen wollen nicht fotografiert werden. Das sollte man auch respektieren. Manche stimmen aber zu, wenn man nett fragt. Naja Fragen funktioniert nicht wirklich. Aber mit Händen und Füßen und einem freundlichen Lächeln kann man sich schon verständigen. Manche wollen auch, dass man etwas kauft, dafür dass sie sich ablichten lassen. Ein nachvollziehbarer Deal.

Inle See Markt

Was für mutige Mägen: dicke Bohnen und unbekannte Leckereien in Bananenblätter eingewickelt.

Inle See Markt

Die Teigbollen sehen ganz gut aus. Aber auch hier ist die Füllung nicht identifizierbar. Vielleicht nicht unbedingt vor Neun morgens.

Inle See Markt

Die Waren werden hier noch mit einer Waage wie vor 100 Jahren abgewogen. Inle See Markt Die Myanmar-Fluppe im Mund ist auch bei Frauen beliebt. Wie hier bei dieser freundlichen Tomatenhändlerin.

Inle See Markt

Auf dem Markt wird auch, wie übrigens überall in Myanmar, Betelnuss angeboten. Betelnuss wird in grünen Blättern zusammen mit anderen Zutaten und Gewürzen zu kleinen Paketen gfaltet. Das Rauschmittel wird dann wie Kaugummi gekaut. Es macht extrem süchtig und färbt die Zähne erst knallrot bis sie irgendwann ausfallen. Angeblich ist das Rauschmittel wegen seiner aufputschenden Wirkung besonders bei Kraftwagenfahrern in Myanmar beliebt.

Inle-See

Die Häuser am See stehen alle auf Stelzen. Die Bewohner haben meistens kleine Gärten um die Häuser herum, wo sie alles mögliche für den täglichen Bedarf anbauen. Was sie nicht selbt brauchen tauschen sie auf dem Markt gegen andere Waren. Der See ist aber gleichziegtig auch Dusche, Waschmaschine und Spülmaschine.

Inle See Markt

Junge Kokosnuss ist ein super Erfrischung für Zwischendurch. Die Kokosnüsse werden geköpft und mit Strohalm serviert.

Inle-See

Lunch gibt es dann in einem Restaurant auf dem See. Bernhard ist ja Experte und schaut sich erst mal immer die Küche an, bevor er sich irgendwo hinsetzt. Na dann kann ja nichts mehr passieren.

Inle-See

Nach dem Mittagessen fängt der touristische Teil der See-Kreuzfahrt an. Wir waren vorbereitet und haben uns ein paar Handwerksbetriebe angeschaut. Unter anderem eine Weberei, wo angeblich noch wirklich produziert wird. Unter anderem wahrscheinlich finanziert durch die Subvention der tausenden Touristen, die den See besuchen. Andererseits, wann kann man sonst noch mal eine Weberei wie vor 100 Jahren sehen.

Inle-See

Bei einem weiteren Stopp haben wir eine Tabakproduktion besucht. Auch hier geht noch alles von Hand. Die Mädels sitzen hier den ganzen Tag und drehen grüne Myanmar-Cigarillos.

Inle-See

Die grünen Glimmstängel gibts mit Anis-, mit Bananengeschmack oder pur. Schmecken ziemlich mild, sind aber auch ohne künstliche Zusätze.

Inle-See

Der Nachwuchs wird schon sehr früh ausgebildet.

Inle-See

Eine Attraktion des Inle-Sees ist auch der Stamm der Long-Necks. Die heißen nicht wirklich so, sehen aber so aus. Die Damen fangen schon als Kinder an, sich den Hals mit Ringen zu erweitern. Gerüchte, den Frauen würde das Genick brechen, sobald sie die Ringe abnehmen, konnten dementiert werden. Insgesamt hatten wir einen kurzweiligen Tag auf dem See. Auch wenn der ein oder andere Eindruck uns ein bisschen zu gestellt und vorgeführt vorkan, haben wir doch hier und da einen ganz guten Eindruck vom Leben der drei verschiedenen Völker am See bekommen. Weil wir den ganzen Tag im Boot gesessen haben, haben wir gleich für den nächsten Morgen eine Trekking-Tour hoch in die Berge klargemacht. Unser Guide hieß Moung Oo und war echt super. Er ist seit 10 Jahren Guide und fährt sonst LKW. Sein großer Traum ist es, einmal Verwandte in Indien zu besuchen. Bisher hat er erst ein mal das Land verlassen und war für ein paar Tage in Thailand. Die Kontaktdaten von Moung Oo gebe ich bei Interesse gerne weiter. So, genug für heute. Servus, Tom

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3 Comments

  1. Hallo Tom,
    bin ganz fasziniert von deinem Reisebericht und natürlich den Fotos und kann es kam erwarten bis es weiter geht. Dein lebendiger, lockerer Stil zieht einen sofort in den Bann und schon reist man mit .
    Ich bin speziell auch an deinem Kamdoscha Bericht interessiert, weil wir Jan/Feb 2014 nach Bangkok fliegen und noch nicht ganz entschieden sind, obs nach Birma oder Kambodscha gehen soll.
    Freue mich schon auf deinen weiteren Bericht.
    Ach ja, und danke fürsTeilen deiner Erlebnisse.

    Grüße

    Karin

  2. Auch ich bin ganz fasziniert von deinem Reisebericht. Ist ein guter Einstieg für uns, denn auch wir reisen in 2 Wochen nach Myanmar und sind schon ganz aufgeregt, was uns alles so erwartet.

    Grüße
    Kerstin

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